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Klar, ich bin gehemmt. Hey, wer neunzehn ist und noch nie gevögelt hat muss Hemmungen haben. Ich bin relativ groß (1,90 Meter) und zumindest auf der Waage übergewichtig, wobei sich bei meiner Körpergröße alles extrem gut verteilt. Und auch am Übergewicht arbeite ich, mit einem Jahresabo fürs Fitnesstudio habe ich bis jetzt knapp neun Kilo in vier Monaten abgenommen und bin ungefähr nochmal soviel von einem akzeptablen Gewicht und Aussehen entfernt. Somit sind Oberschenkel und Bauch natürlich dicker als bei so manch durchtrainierten Muskelprotz, mittlerweile habe ich mich mit meinem Körper ganz gut abgefunden.
Bis auf… meinen Schwanz. Ich weiß nicht (woher auch?) wie die Erwartungen der Frauenwelt sind. Aber wenn ich mit einem großen Mann ins Bett gehe, würde ich ebenso einen großen Schwanz vermuten. Und bei mir stößt man auf… traurige vierzehn Zentimeter. Reiner Durchschnitt, unterer Durchschnitt. Nicht gerade dem Ego förderlich ist auch eine Anomalie meiner Vorhaut, eine Vorhautverengung. Nicht ansteckend, nicht hinderlich, sieht nur anders aus als bei 90% der anderen Männer. Mit einer Operation ließe sich das wegmachen – wenn es stört. Tut es bis jetzt aber mangels sexueller Aktivität nicht. (Leider.)

Eigentlich weiß ich gar nicht, wie es so schnell gegangen sein kann. Auf einmal war ich neunzehn und immer noch Jungfrau. Kein Sex, keine Brüste, verdammt, nicht einmal ein halber Hintern. Am schlimmsten ist es wohl, weiterhin allein aufzuwachen. Und überhaupt keinen Ausweg zu sehen, daran etwas zu ändern. Weder kann ich gut tanzen, noch habe ich übersprudelnden Charme. Ich bin nett und arbeite in einem Beruf, der zu 97% von Frauen ausgeübt wird, was mir einen gewissen Heimvorteil verschafft. Aber auch dazu müsste erstmal eine Ausbildung anfangen (um dann drei Jahre lang mit zwei bis drei Männern und zwanzig Frauen in einer Klasse Unterricht zu haben), was frühestens Sommer 2009 soweit sein wird.
Den Ausweg aus meiner Misere gilt es früher zu finden. Und ich habe keine Ahnung, wie ich das anstellen soll.

2004: Nicht ehrlich gewesen. Drei wunderschöne Frauen im Freundeskreis gehabt, von denen zumindest eine eine potenzielle Freundin gewesen wäre, und ich habe mich daneben benommen. Ein wenig mehr Engagement in schulischen Dingen, ein wenig mehr Stärke und vor allem Zuverlässigkeit und die Jungfräulichkeit wäre passe gewesen. Wäre, hätte, könnte.
2005: Auf eine neue Schule gekommen und die alten Fehler gemacht. Selbst beim wiederholten Anlauf gefehlt, schlechte Noten geschrieben und nicht gerade durch stählernes Durchhaltevermögen oder guten Körperbau aufgefallen. Dabei wäre auch hier (zwar weniger, aber) durchaus das ein oder andere Mädel in meinem Alter dabeigewesen, mit der Sex durchaus vorstellbar war.
2006: Alte Beziehungen zum lokalen Freundeskreis abgebrochen. Teilweise, weil ich unzuverlässig war und mir einiges nicht selbst eingestehen wollte, teilweise, weil mir die Leute auf die Nerven gingen. Dabei sind einige dabei, mit denen ich mein halbes Leben verbracht habe und einige wunderschöne Frauen, die heute noch keinen vernünftigen Kerl haben. Chance vertan.
2007: Keinen neuen Freundeskreis aufgebaut. Mit den wenigen Leuten, mit denen ich Kontakt habe viel zu schüchtern umgegangen. Die letzten Leute, die an mir hangen, sind entweder weggezogen oder ich habe sie auch enttäuscht. Durch die neue Arbeit kaum Kontakt zu den alten Leuten gehabt und noch weniger Kontakt zu neuen Menschen in meinem Alter bekommen.
2008: Wir werden sehen.

2001: Gleich von Anfang an auf der höheren Schule den falschen Freundeskreis gewählt. Es waren gute Freunde, auch wenn die Freundschaften nicht lange gehalten haben, und es waren gute Zeiten, auch wenn Aussenseiter nie wirklich gute Zeiten haben. Mir das Aussenseiter sein zu sehr zu Herzen genommen, in meinem pubertären Leichtsinn umgedrehte Kreuze umgehängt oder behauptet, Schwul zu sein, nur um mich von den um mich herum stehenden abzugrenzen.
2002: Anderen versucht zum Glück zu verhelfen, anstatt selber loszugehen und zu suchen. Liebesbriefeschreiber ist ein schöner Beruf, und wenn man Liebesbriefe für andere schreibt muss man eventuelle Körbe nicht selbst einstecken. Ausserdem: Auf der Klassenfahrt abgewährt, als ein Mädel mir an meinen steifen Schwanz fassen wollte. Wir beide waren alkoholisiert, es war wohl auch besser so, aber es wäre eine potenzielle Chance gewesen. Mit dem am nächsten Morgen stattfindenden peinlich berühten Ignorieren des Mädchens war dieser Quickie schnell beendet.
2003: Die falschen Freunde gesucht. Mit Hiphoppern rumgehangen, gekifft, gesprayt und die Schule geschwänzt. Dabei nie wirklich jemand gewesen der dazugehört hat, sondern jemand der daneben stand. Als ich mir dann noch die negativste Eigenschaft zu meinem Hobby machte, nämlich Schule schwänzen, war mein zukünftiger Weg zum Abitur endgültig verbaut.
Ausserdem: Mich mit einem Mädel getroffen, näher gekommen, Zeichen nicht gesehen und als sie notgedrungen auf mich zukam und wir uns küssten prallten unsere Zähne aneinander. Ein peinlicher Moment, der durch einen zweiten Versuch in Vergessenheit hätte geraten können, doch unsere Reaktion war schweigen. Wir verabschiedeten uns, sie ist mitlerweile lesbisch

Ich bin nicht weit davon entfernt, das dritte Jahrzehnt auf dieser Welt zu verbringen und jeden Tag wird der Prozentsatz der Leute in meinem Alter, die ebenso wie ich noch nie Sex hatten, kleiner. Ich will zu keiner Randgruppe im einstelligen Prozentbereich gehören. Ich will endlich mein erstes Mal.

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