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Es ist ja nicht so, dass ich ohne Gelegenheit wäre. Neulich habe ich ein unzweifelhaft eindeutiges Angebot bekommen. Claudia, Ende 20 und am anderen Ende Deutschlands wohnend, hat sich ganz schön aus dem Fenster gelehnt und mir schließlich per Mail mitgeteilt, dass sie mich erotisch findet. Eigentlich ist sie nicht mein Typ, sie ist mollig und stammt aus einer komplett anderen Welt als ich. Aber da ich nach ihrer Mail mehrere Tage mit einem Ständer rumgelaufen bin, oft an sie dachte und mich allein die Möglichkeit, bald Sex zu haben absolut faszinierte, sagte ich einem zweiten Treffen zu.

Beim zweiten Treffen kamen ihre Füße dann meinen nahe, sie versuchte zu flirten. Und ich wiegelte ab. Irgendetwas in mir schon einen Riegel vor, wie eine Schwelle über die ich nicht gehen konnte. Jetzt, wo sie vor mir saß, ging nichts Ich erklärte ihr lang und breit, warum das an mir und nicht an ihr liegt und wir verabschiedeten uns.

Sie hofft nun auf ein zweites Treffen in mehreren Monaten und ich werde bis dahin bestimmt nicht den Mut finden, ihr zu sagen, dass ein bisschen weniger Mikrowellenfutter und mehr Bewegung zu einer gemeinsamen Beziehung verhelfen könnten. Sie hat einige ziemlich zerrüttete Beziehungen hinter sich, ich fürchte, das könnte ihr den Hals brechen.

„Don’t dance with fat chicks“ hieß es mal in einer US-Serie, die ich öfters gucke. Diese Möglichkeit, meine Jungfräulichkeit zu verlieren, würde diesen Grundsatz jedoch brechen. Und irgendwie meine ich, etwas besseres verdient zu haben.

Nichts ist so, wie es sein sollte, aber vieles nähert sich dem langsam an. So auch die Freundschaft zwischen mir und Kathleen. Wir kennen uns von vor ein, zwei Jahren, als wir zusammen in der Freizeit in den selben Jugendclub gingen. Irgendwie überwinterte unser gemeinsamer Musikgeschmack, so dass wir heute ungefähr alle vier Wochen zusammen auf ein Konzert gehen oder uns beispielsweise zum Brunch treffen.

Das merkwürdige an der Beziehung: Wir haben uns scheinbar nichts zu sagen. So oft entstehen (zumindest für mich) peinliche Gesprächslöcher, ebenso oft versuche ich Gespräche anzukurbeln, zu konstruieren, und doch läuft alles immer auf einen finalen Satz heraus, nachdem das Gespräch beendet ist, wir uns nichts mehr zu sagen haben Und ich finde einfach nicht heraus, warum.

Liegen unsere Interessen ausserhalb der Musik wirklich so weit auseinander? Eigentlich sind schon durch unsere Arbeitssituation – sie studiert ein soziales Fach und ich arbeite im sozialen Bereich – genug Themen gegeben. Liegt etwas in der Luft, was erst ausgesprochen werden muss, um tiefer zu gehen? Steht sie gar auf mich? Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, warum eine hübsche, intelligente Frau mit großem Freundeskreis sich mit mir trifft, wenn wir uns nichts zu sagen haben. Und ich kann mir nicht vorstellen, warum eine hübsche, intelligente Frau auf mich stehen sollte. Intelligent mag ich auch sein, an meiner Schönheit zweifle ich.

Eigentlich kann ich mir gar nichts vorstellen. Und sehe absolut kein Zeichen von ihr, was sie sich vorstellt noch finde nicht den Anlauf, mal den tieferen Sinn unserer Treffen zu erfragen. Mit etwas Pech hat sie nämlich einfach kein Interesse an mir und will nur nicht allein zu Konzerten gehen. Und ich steh, weil ich etwas tieferes vermute, im Regen.